Die Bewohner des Liesner Hofes in Almsick wurden schon seit Jahrzehnten immer wieder von schweren Schicksalsschlägen heimgesucht. Doch allen Tragödien zum Trotz war Antonia Hilbt, die älteste Tochter des Hauses, eine lebensfrohe und allseits beliebte junge Frau. Als designierte Hoferbin war sie außerdem eine umworbene Partie. Doch da war noch jemand, dem das alles missfiel.
Anna Terschluse lebte und arbeitete schon seit über 40 Jahren als Magd auf dem Liesner Hof. Als junge Frau war sie im Jahr 1881 auf den Almsicker Kotten gezogen und hatte seitdem viele Höhen und Tiefen des bäuerlichen Lebens erfahren. Freudige Ereignisse wie Hochzeiten und Geburten aber vor allem auch Krisen, Kriege und Krankheiten. Bei all dem blieb Anna eine der wenigen Konstanten auf dem Liesner Hof. Auf die Magd war einfach Verlass. Doch das, was sie am Donnerstag, den 30.11.1922 miterleben musste, war weitaus schwerwiegender als alles zuvor Dagewesene.
Am frühen Morgen dieses Herbsttages hatte der 17-jährige Zimmererlehrling Heinrich Kemper aus Büren auf dem Liesner Hof Arbeiten zu verrichten. An der Zuwegung zum Hof war ihm ein Fahrrad aufgefallen, das dort in einem Straßengraben lag. Dies teilte er Maria Hilbt, der jüngsten Tochter des Hauses, mit. Maria hatte an diesem Morgen ihre ältere Schwester Antonia noch nicht gesehen und sofort überkam ihr ein ungutes Gefühl. Als Maria wiederum ihren Vater informierte entfuhr ihm die Bemerkung: „Ach Gott, wenn sie Toni nur nicht auf den Kopf gehauen haben.“ Gemeinsam machten sie sich dann auf, um nachzusehen. Die schlimmsten Befürchtungen bewahrheiteten sich. Unter dem Fahrrad im Straßengraben fanden sie Antonias Leiche.
Almsick und der Liesner Hof
Die Bauerschaft Almsick befindet sich zwischen den Ortschaften Ahaus, Stadtlohn, Gescher und Legden. Den Mittelpunkt von Almsick bildet der Liesner Wald, der südliche Teil des ausgedehnten Waldgebietes Bröke. Westlich und östlich dieses Forstes liegen verstreut die Almsicker Höfe und Kotten, die gegen Ende des 19. Jahrhunderts gut 500 Menschen eine Heimat boten. Um diese Zeit hatte Almsick immerhin den Status einer Landgemeinde. Der größere Teil von Almsick lag westlich des Liesner Waldes und öffnete sich in Richtung Stadtlohn. Hier verlief auch seit 1902 die Westfälische Nordbahn von Stadtlohn nach Ahaus, der Almsick immerhin ihren kleinen Bahnhof zu verdanken hatte.
Die wenigen Höfe auf der östlichen Seite des Waldes hingegen lagen sehr abgeschieden und zum Teil näher an Legden als an Stadtlohn. Für ihren Kirchgang nach Stadtlohn brauchten die Bewohner dieser Wohnplätze zum Teil mehr als eine Stunde. Zumindest die Schulkinder hatten es nicht ganz so weit, denn eine eigene Schule durften die Amsicker ihr Eigen nennen. Einer dieser abgelegenen Höfe war der Liesner Hof in Almsick Nr. 37. Der Kotten lag am Gescher Damm, jener Straße, die Gescher mit Ahaus verbindet. Mit zwei Pferdegepannen und über 100 Morgen Land gehörte der Hof weder zu den größten noch zu den kleinsten, bot seinen Bewohnern aber eine auskömmtliche Existenz.

Ein Unglück und seine Folgen
Der Kötter Heinrich Joseph Liesner, geboren am 28.04.1842, heiratete hier am 03.07.1877 die aus Graes stammende Anna Catharina Adelheid Blommel, die am 29.04.1878 den Sohn Bernhard Joseph gebar. Aber schon vier Wochen später, am 27.05. kam es zu einem tragischen Ereignis. Nur 200 Meter nördlich des Kottens am Bockholtkamp befand sich eine Mergelgrube. In dieser Grube fand man am frühen Nachmittag dieses Tages die junge Mutter ertrunken. War es ein Unfall? Oder hat sie sich von Schwermut geplagt selbst etwas angetan? Wie auch immer – Heinrich Liesner war von da an allein mit dem Säugling Joseph, der zu jener Zeit nur mit Hilfe einer Amme durchzubringen war. Aber weitere drei Wochen später, am 18.06., starb auch der kleine Joseph.
Es dauerte dann bis zum Jahr 1880, ehe sich Heinrich Liesner zu einer neuen Ehe mit der am 09.07.1841 in Grasbergen in den Niederlanden geborenen Antonia Bernhardina Pottgrave entschloss. Antonia Pottgrave wohnte und arbeitete schon seit einiger Zeit als Magd im Hause des Wüllener Amtsmannes August von Martels, als sie am 08.12.1876 ihre uneheliche Tochter Maria Pottgrave zur Welt brachte. Um die Vaterschaft dieses Kindes rankten sich viele Gerüchte. Diese änderten aber nichts daran, dass Antonia Pottgrave die kleine Maria allein durch ihre ersten Jahre bringen mußte. Daher schien es eine gute Fügung zu sein, dass auf dem Hof Liesner gerade eine junge Frau im Hause fehlte. Also zog sie als Magd auf den Hof, wo sie auch ihre Tochter gut versorgt wähnte.
Aus dem Dienstverhältnis mit Heinrich Liesner entwickelte sich – freiwillig oder unfreiwillig – eine intimere Beziehung. Deren Folgen ließen sich aber ab dem Spätsommer 1880 auch auf der Ostseite des Liesner Waldes nicht mehr verbergen. Am 24.11.1880 brachte Antonia Pottgrave zunächst ihren Sohn Heinrich zur Welt und am 04.12.1880 heiratete sie schließlich den Vater ihres Kindes. Aber auch diese Ehe stand unter keinem guten Stern, denn Heinrich sollt das das einzige Kind bleiben. Es kam aber noch schlimmer: Am 19.03.1892 starb der Sohn und Stammhalter im Alter von nur elf Jahren und die 15jährige Maria Pottgrave war jetzt das einzige Kind auf dem Liesner Hof.
Die uneheliche Tochter wurde Hoferbin
Für die designierte Hoferbin Maria Pottgrave mußte also so schnell wie möglich ein Ehemann und für den Hof ein Jungbauer gefunden werden. Ein passender Kandidat hierfür war Bernhard Anton Hilbt aus Nordvelen. Anton Hilbt war das dritte von vier Kindern des Zellers Anton Schulze Hilbt und seiner Frau Anna Maria Lüttke Lembeck. Seine Mutter starb als er 10 Jahre alt war. Aber schon ein Jahr später heiratete sein Vater erneut und es kamen noch zwei Halbbrüder hinzu.
Bernhard Anton Hilbt wurde am 03.06.1863 in Nordvelen geboren. Seine Eltern waren der Zeller Anton Joseph Schulze Hilbt (*15.10.1830 in Nordvelen +19.12.1896 in Nordvelen) und Maria Lütke Lembeck (*27.02.1835 in Holtwick +09.05.1874 in Nordvelen). Sie heirateten am 20.10.1857 in Holtwick. Nach dem frühen Tod seiner Mutter heiratet sein Vater am 01.06.1875 in Gescher Anna Maria Elisabeth Bäing.
Anton Hilbt hatte noch drei Geschwister und zwei Halbbrüder
- Bernhard Schulze Hilbt *27.09.1858 +14.06.1930
- Ferdinand Wilhelm Hilbt *1860
- Maria Bernardina Hilbt *1868 +1927
- Joseph Bernhard Hilbt *1876 +1954
- Heinrich Hilbt *1878 +1958
Als Spross eines Schulzen mit einem stattlichen Hof von über 360 Morgen war Anton Hilbt eine durchaus gute Partie für die uneheliche adoptierte Kötterstochter Maria Pottgrave. Es gab also keinen Grund, die Hochzeit noch auf die lange Bank zu schieben. Maria Pottgrave war noch nicht einmal 18 Jahre alt, als sie am 18.08.1894 mit dem 31jährigen Anton Hilbt auf dem Stadtlohner Standesamt die Zivilehe einging.
Bernhard Anton Hilbt und Maria Pottgrave heirateten am 18.08.1894 auf dem Stadtlohner Standesamt. Die Eheleute hatten drei Kinder:
- Heinrich Joseph Hilbt *14.08.1896
- Antonia Bernhardina Hilbt *24.06.1901
- Maria Hilbt *01.04.1906
1896 wurde den Eheleuten mit Heinrich Joseph Hilbt ein Stammhalter geboren. Antonia wurde am 24.06.1901 geboren und Maria folgte schließlich am 1906. Der Altbauer Heinrich Liesner starb zwar am 22.12.1902 im Alter von 61 Jahren, aber mit drei Kindern gab es auf dem Hof eine Perspektive. Außerdem hielt sich die rüstige Witwe Antonia Pottgrave noch wacker. Und schließlich war da auch noch die treue Magd Anna Terschluse, die bereits seit Jahrzehnten eine verlässliche Stütze bei der alltäglichen Arbeit war.
Neue Rückschläge während der Kriegsjahre
Während des 1. Weltkrieges zogen jedoch erneut dunkle Wolken über den Liesner Hof in Almsick auf. Das Massensterben in den Schützengräben war dem Jüngling Joseph Hilbt zwar erspart geblieben, aber das Schicksal verschonte ihn trotzdem nicht. Am 11.10.1915 starb er im Alter von nur 19 Jahren eines natürlichen Todes auf dem Hof. Aber es sollte die Familie noch härter treffen: Am 13.05.1918 starb zunächst die inzwischen hochbetagte Antonia Pottgrave und schon am 07.04.1919 folgte ihr ihre gerade einmal 43 Jahre alte Tochter Maria. Sie fiel dem berüchtigten Weißen Tod, sprich: der Tuberkulose zum Opfer.
Weil während der Kriegsjahre und danach die Arbeitskräfte an allen Ecken und Enden fehlten, blieb vieles mal wieder an den Frauen hängen. Die Magd Anna Terschluse, die noch immer auf dem Liesner Hof wohnte und arbeitete, war trotz ihres inzwischen fortgeschrittenen Alters weiterhin eine unverzichtbare Hilfe. Vor allem war es aber erneut die älteste Tochter Antonia, die mehr und mehr in den Mittelpunkt rückte und in die viel Hoffnung gesetzt wurde.
Anton Hilbt und Maria Pottgrave hatten sich testamentarisch gegenseitig als Erben eingesetzt. Darüber hinaus hatten sie verfügt, dass Antonia den Hof erben und ihre jüngere Schwester Maria mit 15.000 Mark abgefunden werden sollte. Dies hatte sich in der Umgebung herumgesprochen und auf dem Liesner Hof gaben sich daher die männlichen Bewerber regelrecht die Klinke in die Hand, um bei Anton Hilbt um die Hand seiner Tochter Antonia anzuhalten.
Generationskonflikte
Antonia war sich ihrer Begehrtheit durchaus bewusst, was sie zu einer selbstbewußten Person werden ließ. Ohnehin war sie eine lebenslustige junge Frau, die ihr Herz am rechten Fleck trug, einen guten Ruf genoß und sich allgemeiner Beliebtheit erfreute. Trotz der Almsicker Abgeschiedenheit pflegte sie Freundschaften in Stadtlohn und begab sich gerne in Gesellschaft und auf Festlichkeiten. Mit dem Heiraten hatte sie es jedoch nicht eilig, sehr zum Missfallen ihres Vaters.
Anton Hilbt war charakterlich das Gegenteil seiner Tochter. Schon zu Lebzeiten seiner Frau zeigte er sich seinen Mitmenschen gegenüber als geizig und jähzornig. Wiederholt wurde er handgreiflich gegenüber seinen Hausgenossen. Nach dem Tod seiner Frau griff er zudem immer häufiger zur Flasche und schwankte oft zwischen Manie und Lethargie. Niemand auf dem Hof konnte es ihm recht machen und mit seinem Verhalten versetzte er seine Mitbewohner zunehmend in Angst und Schrecken.
Antonia war jedoch selbstbewußt genug, um ihrem Vater die Stirn zu bieten. Als es wieder einmal zu einem heftigen Streit kam, meinte sie zu ihn: „Du musst nicht meinen, dass Du es mit mir machen kannst, wie mit der Mutter.“ Ihr Vater quittierte dies mit: „Das wollen wir erst einmal sehen“. Bei der Arbeit auf dem Hof bekam Anton Hilbt ab Februar 1922 die so dringend benötigte Unterstützung, und zwar von seinem 15jährigen Neffen Heinrich Hilbt. Heinrich war der Sohn seines jüngsten Halbbruders. Aber auch für die beiden Schwestern Antonia und Maria war der Vetter nicht nur eine willkommene Bereicherung ihres tristen Alltags sonderen auch eine mentale Stütze bei ihrem schwierigen Verhältnis zu ihrem Vater.
Der Altbauer will es noch einmal wissen
Anton Hilbt dachte ebenfalls darüber nach, sein fortgeschrittenes Leben noch einmal zu bereichern. Trotz seiner 61 Jahre erwog er, noch einmal zu heiraten. Sein Interesse galt wieder einmal einem 18jährigen Mädchen, was Antonia und Maria nicht verborgen blieb. Dies veranlasste die beiden Schwestern, ihren Vater zunächst von seinem Vorhaben abzubringen – jedoch nur, bis dieser sein Auge auf ein etwas älteres Mädchen aus Legden richtete. Aus seinen Heiratsplänen machte Anton Hilbt im Übrigen kein großes Geheimnis. Selbst außerhalb der Hausgemeinschaft hielt er mit seinen Absichten nicht hinterm Berg.
Dass Anton Hilbt sich im Herbst des Jahres 1922 seiner Tochter Antonia gegenüber plötzlich von seiner besten Seite zeigte, war allerdings äußerst erstaunllich. War ihm tatsächlich daran gelegen, endlich Frieden mit seiner Tochter zu schließen? Oder wollte er nur Gutwetter machen, damit Antonia sich nicht weiter in seine Heiratspläne einmischte? Wie auch immer – ein großzügiger und wohlwollender Vater machte das Leben allemal erträglicher, auch wenn sich niemand im Hause einen rechten Reim darauf machen konnte und dem Frieden wirklich traute.
Wo ist Antonia?
Der 29.11.1922 war ein Mittwoch. Das Jahr neigte sich allmählich dem Ende zu und die Tage waren schon sehr kurz. Dies hinderte Antonia jedoch nicht daran, sich allein mit dem Fahrad auf dem Weg nach Stadtlohn zu begeben, um dort einige Besorgungen zu machen. Auf der Stadtlohner Amtstube hatte sie Geld einzuzahlen, was schnell erledigt war. Auf dem Rückweg machte Antonia noch Halt beim Bauern Wenning in Stadtlohn.
Der Bauer Wenning war ein guter Bekannter der Hilbts und Antonia wollte sich bei ihm nach einer Arbeitsmöglichkeit in Münster für ihre Schwester Maria erkundigen. Als endlich alle Neuigkeiten ausgetauscht waren, machte sich Antonia gegen 20 Uhr mit Ihrem Fahrrad auf dem Weg. Dass es schon stockfinster war, war für sie kein Problem. Für ihren Weg würde sie nicht lange brauchen und am nächsten Tag sollte es schließlich zusammen mit ihrem Vetter Heinrich nach Borken auf den Viehmarkt gehen.
Ihr Vater war an diesem Tage ebenfalls unterwegs, allerdings in der entgegengesetzten Richtung. Er hatte seinerseits in Legden Besorgungen zu machen. Er war allerdings schon wieder gegen 17 Uhr zurück auf dem Hof – gerade rechtzeitig, um wieder einmal einen von Antonias Verehrern in Empfang zu nehmen. Der junge Mann mußte einige Geduld aufbringen. Nach drei Stunden vergeblichen Wartens machte er sich aber gegen 20 Uhr unverrichteter Dinge wieder von Dannen. Auch in den darauffolgenden anderthalb Stunden kam Antonia noch nicht nach Hause, bis sich die anderen Bewohner des Liesner Hofes schließlich zur Ruhe begaben.
Eine grausame Entdeckung am nächsten Tag
Am nächsten Morgen war Antonia noch immer nicht aufgetaucht, als der Zimmererlehrling Kemper von dem Fahrrad im Graben berichtete. Böses ahnend machten sich Anton Hilbt, seine Tochter Maria und der Neffe Heinrich auf, um nachzusehen. Unterwegs sagte er noch zu seiner Tochter: „Das geschieht Toni recht, weil sie nachts immer so lange unterwegs ist.“ Als sie Antonias Leiche unter dem Fahrrad im Straßengraben liegen sahen, wurden alle Befürchtungen traurige Gewissheit.
Anton Hilbt und sein Neffe Heinrich zogen die Tote aus dem Graben. Am Kopf wies die Leiche deutliche Verletzungen auf. Auch für medizinische Laien war leicht erkennbar, dass hier erhebliche Gewalt angewandt worden war. Als sie die Leiche zum Hof getragen hatten, redeten die Bewohner des Hofes auf Anton Hilbt ein, dass er einen Geistlichen dazuholen müsse. Er meinte jedoch nur kühl, dass dies nicht mehr nötig sei. Man bräuchte auch nicht mehr für Antonia zu beten, da sie ja ohnehin nicht in den Himmel kommen würde.
Noch bevor sich ein Priester sich um die Tote kümmern durfte, begann die Polizei mit ihren Ermittlungen. Auch die Abgeschiedenheit des Liesner Hofes verhinderte nicht, dass die Nachricht in kürzester Zeit verbreitete. Dazu trug auch bei, dass die Behörden in alle Richtungen ermittelten. War es ein Unfall oder war es ein Verbrechen? Wen könnte Antonia auf ihrem Nachhauseweg begegnet sein? Könnte es ein verschmähter Liebhaber gewesen sein, der persönliche Rache übte? Die wildesten Gerüchte machten die Runde und die Aufregung in und um Almsick war entsprechend groß.
Ein schwerer Verdacht
Die Gerüchte überschlugen sich jedoch als bekannt wurde, dass Anton Hilbt selbst ins Visier der Ermittlungen geriet. Am Samstag, den 02.12.1922 wurde eine Obduktion der Leiche vorgenommen. Als die Polizei von Anton Hilbt verlangte, sie ins Leichenschauhaus zu begleiten, verlor er kurzzeitig die Fassung. Die Gendarmen wunderten sich darüber, weil Hilbt sich ansonsten auffallend kühl und ungerührt verhielt.
Bei der Obduktion stellten die Gerichtsmediziner dann fest, dass die Schädeldecke in einer Weise zertrümmert worden war, die nur auf ein Verbrechen schließen ließen. Ein Unfall war von da an ausgeschlossen. Aufgrund der Erkenntnisse der Obduktion beantragte die Staatsanwaltschaft einen Haftbefehl gegen Anton Hilbt. Das Amtsgericht Vreden gab jedoch diesen Antrag in Ermangelung von Beweisen nicht statt.

Am 04.12. setzte der Regierungspräsident von Münster auf die Ermittlung der Täter eine Belohnung von 20.000 Mark aus. Nach einer Woche ohne Fortschritte erhöhte Anton Hilbt aus eigenen Mitteln die Belohnung auf 100.000 Mark. Am 02.01.1923 erhöhte er die Belohnung nochmals auf 500.000 Mark, was jedoch auch der galoppierenden Inflation geschuldet war. Auch blieb es der Polizei nicht verborgen, dass Anton Hilbt erst nach längerem Drängen seiner Familie seine Geldbörse geöffnet hatte. Die Ermittlungen gingen zu diesem Zeitpunkt zunächst wieder in alle denkbaren Richtungen – allerdings ohne Erfolg.
Schließlich wendete sich das Blatt erneut und am 28.01.1923 konnte die Staatsanwaltschaft den Untersuchungsrichter davon überzeugen, dass doch Anton Hilbt dringend verdächtigt war, seine eigene Tochter erschlagen zu haben. Hilbt wurde festgenommen und in Untersuchungshaft nach Münster überführt. Die Aufregung um diesen Fall fand damit seinen vorläufigen Höhepunkt. Dann wurde es jedoch einige Monate still um Anton Hilbt und die weiteren Ermittlungen fanden von da an überwiegend im Verborgenen statt.
Indizienprozess vor dem Schwurgericht
Es dauerte bis zum Herbst 1923, ehe die Affäre erneut auf den ersten Seiten der Zeitungen erschien und zum Tagesgespräch der Menschen wurde. Ein Geständnis konnte Anton Hilbt zwar nicht abgerungen werden, aber die Indizien waren inzwischen derartig belastend, dass ihm vor dem Schwurgericht in Münster am 5. und 6. Oktober der Prozess wegen Totschlags gemacht werden konnte. Das Zuschauerinteresse war so groß, dass die Gerichtsdiener Mühe hatten, im Gerichtssaal die Ordnung aufrecht zu erhalten. Dafür sorgte allein die große Anzahl der geladenen Zeugen.
Am ersten Verhandlungstag wurde zunächst die Anklage verlesen, die sich vor allem auf Indizien und auf das mutmaßliche Motiv stütze. Demnach sollte Anton Hilbt seine Tochter erschlagen haben, um sich bei Wiederheirat den Hof zu sichern. Da Antonia im Testament ihrer Mutter als Hoferbin bestimmt war, hätte sie die Heiratsabsichten ihres Vaters durch eine eigene Heirat durchkreuzen können. Als Tatwaffe wurde ein Ofenpüster ermittelt.
Anton Hilbt hatte die Gewohnheit, abends stets den Püster vor die Tür zu stellen. Hierzu hatte er sich bei seinen Vernehmungen jedoch in Widersprüche verwickelt, die die Ermittler auf die Spur des Tatwerkzeuges brachte. Auch zu zahlreichen weiteren Details am Abend der Tat verzettelte sich Hilbt in Widersprüche. Besonders belastend für ihn waren jedoch fünf Kassiber, die er aus der Untersuchungshaft seinem Neffen Heinrich bei einem Besuch zusteckte. Mit diesen Zetteln versuchte Anton Hilbt, auf die Zeugenaussagen der Hausgenossen Einfluß zu nehmen. Anton Hilbt blieb indessen bei seiner Darstellung und stritt die Tat weiterhin vehement ab. Er versuchte weiterhin die Fassade eines umsorgenden Familienvates aufrecht zu erhalten. Das Verhältnis zu seiner verstorbenen Frau stellte er als gut dar. Das zu seiner Tochter Antonia sei hingegen eher angespannt gewesen, weil ihm der Unternehmungsdrang seiner Tochter etwas missfiel.
Die eigene Tochter belastet Hilbt schwer
Als erster Zeuge wurde der Zimmerlehrling Heinrich Kemper vernommen, dem das Fahrrad der Toten aufgefallen war. Bereits durch seine Aussage bekam die Fassade des Anton Hilbt erste Risse. Kemper schilderte, wie kühl und abweisend sich der Angeklage verhalten hatte, wie wenig er daran interessiert gewesen sei, einen Geistlichen herbeizurufen und wie dieser sofort versucht hatte, Heinrich Kemper in seinen Aussagen zu beeinflussen.
Als Zweite trat Maria Hilbt in den Zeugenstand. Wohlwissend, dass die inzwischen 17jährige Tochter des Angeklagten vor dem schwersten Gang ihres noch jungen Lebens stand, ersparte es ihr der Richter, ihren Vater direkt entgegenzutreten, indem man Anton Hilbt während ihrer Aussage aus dem Saal führte.
Was dann folgte ließ Maria Hilbt zur Hauptbelastungszeugin werden. Sie schilderte, dass das Verhältnis zwischen ihrem Vater und ihrer Schwester nicht nur zerrüttet, sonderen von ständigen Demütigungen, Bedrohungen und Gewalt gekennzeichnet war. Wenn er Antonia eine bestimmte Arbeit aufgetragen hatte, dann hätte er sie später wieder fortgeholt, um sie zu beschimpfen und ihr dann eine andere Arbeit aufzutragen. Obwohl die getötete Schwester stets fleißig und arbeitsam gewesen sei, hätte ihr Vater ihr nicht das Geringste gegönnt.
Einmal wäre es vorgekommen, dass der Vater Maria derartig heftig mit einem dicken Stock über den Kopf schlug, dass sie ohnmächtig zusammengesunken sei. In einer anderen Situation wäre er mit einer Mistgabel auf ihre Schwester Antonia losgegangen. Auch gegenüber seinem Neffen Heinrich hätte Anton Hilbt etwa zwei Monate vor dem Tod seiner Tochter geäußert, dass er die junge Frau ruhig mit der Mistgabel erstechen könne. Selbst ihre verstorbene Mutter blieb nicht von der Tyrannei und den Gewaltausbrüchen ihres Vaters verschont.
Schon in den Wochen vor Antonias Tod fühlten sie und ihre Schwester sich häufig bedroht und fürchteten, dass ihr Vater ihnen etwas antun könne. Mehrfach hätte er sich nachts in ihre Kammer geschlichen, um nach Antonia zu sehen. Daher hätten sie ihre Tür mit einem Riegel versehen. War der Vater mal wieder besonders zornig, dann hätten sie ihren Vetter Heinrich gebeten, in der Nähe zu schlafen, damit ihnen nichts zustieße. Maria und Antonia wären sich dessen bewußt gewesen, dass Antonia als Hoferbin in Betracht kam und dass sie damit ihrem Vater im Weg stehen könnte. Antonia hätte sich deshalb schon längst aus dem Hause begeben wollen, wäre aber nur Maria zuliebe noch zuhause wohnen geblieben.
Maria Hilbt schildere, dass sie am Abend des 29.11.1922 gegen 21 Uhr zu Bett gegangen sei. Kurze Zeit später hätte sie deutlich vernommen, wie eine Schaufel umfiel und jemand durch die Küche schlich. Zweimal hätte sie gehört, wie ihr Vater nach Antonia rief. Dann sei ihr Vater nach draußen gegangen, ohne dass er zurückgekehrt sei, solange sie noch wach im Bett lag. Nachdem man am nächsten Morgen ihre tote Schwester gefunden hatte, äußerte der Vater mehrmals, dass man nicht für sie beten müsse. Ihr Vater hätte zwar gesagt, dass er mehrere Messen bestellt hätte. Es stellte sich aber später heraus, dass dies nicht den Tatsachen entsprach. Als sich im Zuge der Ermittlungen der Tatverdacht gegen Anton Hilbt erhärtete, drohte er Maria damit, dass ihr das gleiche widerfahren könne, wie ihrer Schwester Antonia. Sollte der Vater je wieder nach Hause kommen, dann würde sie das Weite suchen.
Die Konturen werden schärfer
Maria Hilbts Zeugenaussage rückte die Tat so sehr in ein neues Licht, dass die Staatsanwaltschaft anschließend beantragte, die Anklage auf Mord auszudehnen. Als der Vorsitzende Richter Arndts Anton Hilbt mit den Aussagen seiner Tochter konfrontierte, meinte er nur, dass weniger als die Häfte davon der Wahrheit entspräche und sie sich wahrscheinlich mit einem Heiratsbewerber gegen ihn verbündet hätte. Der Richter antwortete darauf nur, dass es schon reichen würde, wenn nur die Hälfte wahr wäre.
Als nächster Zeuge wurde Heinrich Hilbt in den Zeugenstand gerufen. Auch er schilderte, dass Antonia den Heiratsplänen ihres Vaters im Weg gestanden hätte. Nach dem Fund des Fahrrades am Morgen des 30.11.1922 hätte er sich zusammen mit Anton Hilbt zum mutmaßlichen Tatort begeben. Ihm selbst wäre es äußerst schwer gefallen die Tote mit aus dem Graben zu ziehen. Sein Onkel hingegen hätte kaum eine Gemütsregung gezeigt. Stattdessen hätte er nach der Bergung der Leiche ihr als erstes den Ring vom Finger ihrer rechten Hand gezogen. Der Ring an der anderen Hand hingegen ließ sich nicht abnehmen, weil der Finger deutlich verbogen war. Schon am darauffolgenden Tag hätte Anton Hilbt zu ihm gesagt: „Gut, dass die Toni tot ist“. Bei einer anderen Gelegenheit hätte er gemeint, dass er seiner Tochter Böses gegönnt hätte, aber doch nicht etwas derartig Schlimmes.
Die letzte Zeugin des ersten Verhandlungstages war die Magd Anna Terschluse. Sie war kaum des Hochdeutschen mächtig und ihr war die Zerrissenheit zwischen Loyalität zu ihrem langjährigen Dienstherrn und der Wahrheit deutlich anzumerken. Im Wesentlichen bestätigte sie auf Plattdeutsch mit ihrer Aussage die der anderen Zeugenaussagen. Sie selbst wäre auch von Anton Hilbt mehrfach geschlagen worden. In der besagten Nacht hätte auch sie deutlich vernommen, dass ein Gegenstand zu Boden gefallen wäre und dass danach jemand das Haus verlassen hätte.
Weitere Aussagen belasten Hilbt
Am zweiten Verhandlungstag wurde mit zahlreichen weiteren Zeugenaussagen aus dem außerfamilären Umfeld des Angeklagten die Beweisaufnahme fortgesetzt. Oberlandjäger Sander aus Stadtlohn war der Ehemann einer Freundin von Antonia. Der Ordnungshüter berichtete davon, dass er im Sommer des Jahres 1922 einen Brief erhalten hätte, in dem von schweren Misshandlungen der verstorbenen Maria Pottgrave durch ihren Ehemann Anton Hilbt die Rede war. Daraufhin hätte er bei einigen Nachbarn der Hilbts Erkundigungen eingeholt. Diese hätten aber nichts bemerkt. Später hätte Antonia seiner Frau unter Tränen anvertraut, dass ihr Vater ihre Mutter noch auf dem Sterbebett schwer misshandelt hätte. Nach Antonia Tod hätte Anton Hilbt ihn gefragt, ob ein Arzt feststellen könne, ob seine Tochter erschlagen worden wäre. Ähnliches wusste Sanders Amtskollege, der Polizist Hohenrath aus Stadtlohn, zu berichten. Ihm hatte Antonia einmal erzählt, dass ihr Vater ihre Mutter einmal derartig heftig gewürgt hätte, dass ihr das Blut aus dem Mund gelaufen sei.
Der Almsicker Bauer Krieger von der anderen Seite des Liesner Waldes sagte aus, dass Anton Hilbt nie ein gutes Haar an seine verstorbene Frau und seine Tochter ließ. Er traute es Anton Hilbt durchaus zu, seine eigene Tochter erschlagen zu haben. Diese Aussage war umso bemerkenswerter als das der Zeuge von der Verteidigung selbst geladen wurde. Auch der Bauer Kruse, ein direkter Nachbar des Liesner Hofes, traute dem Angeklagten die Tat zu. Antonia hätte in ständiger Angst vor ihrem verdrießlichen Vater gelebt, dabei sei sie so ein gutmütiges Mädchen gewesen. Der Jagdaufseher Büding hatte mal eine Weile auf dem Liesner Hof logiert, weil dieser so nah an seinem Revier lag. Er wußte zu berichten, dass niemand der Hausgenossen es Anton Hilbt recht machen konnte und er an allem etwas auszusetzen hatte. Da Antonia von kräftiger Statur gewesen sei, hätte sie sich gegen ihren Vater durchaus zur Wehr setzten können – wenn sie nicht vorher unschädlich gemacht worden wäre.
Der Milchfuhrmann Julius Lenger kam schon jahrelang täglich auf den Liesner Hof. Maria Pottgrave hatte ihn gegenüber einmal geäußert, dass Anton Hilbt sie geschlagen hätte. Ihm war auch nicht entgangen, dass Antonia in ständiger Angst vor ihrem Vater lebte. Er meinte, sie würde viel zu früh groß werden. Anton Hilbt hatte ihn gegenüber einmal gesagt: „De grote Dän löp mij in den Weg, ik kann se vör mijn Augen nich mehr sehn“. Der Zimmermann Hehming war der Meister des Lehrlings Heinrich Kemper, der am Morgen des 30.11.1922 auf dem Liesner Hof zu arbeiten hatte. Ihm gegenüber hatte der Angeklagte einmal geäußert: „Ans Heiraten kann sie nicht denken, vorher passiert noch etwas“. Später hätte Anton Hilbt in seiner Werkstatt zu ihm sogar gesagt: „Der Staatsanwalt hat so viel hin und her gefragt, beinahe hätte ich mich verraten“. Auch Hehming hegte keinen Zweifel daran, dass er Anton Hilbt die Tat zutrauen würde. Noch deutlicher war die Aussage eines Mitgefangenen aus Gronau, mit dem Anton Hilbt sich im Gerichtsgefängnis die Zelle teilen musste. Diesem erzählte er, dass er am besagten Abend zweimal das Haus verlassen hätte. Er hätte sich damit gebrüstet, dass Antonia mit einem Schlag genug gehabt hätte. Diese Aussage wurde von einem weiteren Mitgefangenem bestätigt.
Schließlich legten noch die medizinischen Sachverständigen ihr Zeugnis ab. Der Gerichtsarzt Dr. Kersten aus Münster berichtete davon, wie Anton Hilbt bei seiner Untersuchung Unwissenheit und Dummheit vortäuschte. Dabei sei nach seiner Meinung das Gedächnis des Angeklagten vollkommen intakt. Er leide zwar an einer altersbedingten Arterienverkalkung, aber es gebe keine Anzeichen dafür, dass sich Anton Hilbt in einem Zustand befunden hätte, in dem er nicht Herr seiner Sinne gewesen sei. Der Medizinalrat Dr. Hellmich aus Ahaus, hatte die Obduktion der Leiche durchgeführt. Seiner Meinung nach wiesen die Schädelfrakturen auf mindestens vier Schläge mit einem schweren stumpfen Gegenstand hin. Weil der Ofenpüster exakt der Form der Schädelverletzungen entsprach, käme er als Tatwaffe sehr wohl in Betracht.
Urteil ohne Geständnis
Damit war die Beweisaufnahme abgeschlossen und nach einer kurzen Pause wurden die Plädoyers vorgetragen. Der Staatsanwalt Stienen sei von Anfang an von der Schuld des Angeklagten überzeugt gewesen, auch wenn Anfangs der Untersuchtungsrichter anderer Auffassung gewesen sei. Nach seiner Meinung läge ein eindeutiger Mord, da die Tat mit Überlegung und Heimtücke ausgeführt worden sei. Der Verteidiger, Rechtsanwalt Dr. Rohr, plädierte auf Freispruch aus Mangel an Beweisen. Sollten die Geschworenen dennoch die Schuldfrage gejahen, so könne nur ein Totschlag vorliegen. In seinem letzten Wort blieb Anton Hilbt dabei, nichts mit dem Tod seiner Tochter Antonia zu tun zu haben.
Nach einer etwa halbstündigen Beratung erkannten die Geschworenen Anton Hilbt für Schuldig der vorsätzlichen Tötung seiner Tochter, jedoch ohne Überlegung, also auf Totschlag. Dem Staatsanwalt missfiel der Wahrspruch der Jury und er beantragte daher als Strafmaß die Höchststrafe von 15 Jahren Zuchthaus. Die Verteidigung forderte hingegen lediglich die Verhängung der Mindeststrafe von 5 Jahren. Das Gericht verurteilte Anton Hilbt schließlich zu 15 Jahren Zuchthaus. In seiner Urteilsbegründung räumt der Vorsitzende ein, dass man durchaus geschwankt habe zwischen einer lebenslänglichen Strafe und einer zeitlichen. Er ließ keinen Zweifel an der Verwerflichkeit der Tat, die eigenen Tochter umzubringen. Mit Verweis auf die bisherige Unbescholtenheit und die leichte Erregbarkeit des Anton Hilbt habe man aber schließlich auf 15 Jahre entschieden.
Mit der Verurteilung von Anton Hilbt fand die juristische Aufarbeitung noch nicht ihren endgültigen Schlusspunkt. Nach dem Prozess legte die Staatsanwaltschaft Revision gegen das Urteil ein, weil ihr das Strafmaß als unangemessen gering erschien. Die Revision wurde jedoch im Januar 1924 zurückgewiesen, womit das Urteil Bestand hatte. Anfang April des gleichen Jahres kursierte dann die Meldung durch die Zeitungen, dass Anton Hilbt im Gefängnis ein vollumfängliches Geständnis abgelegt hätte. Diese wurde aber schon wenige Tage später von allen Blättern als Falschmeldung widerrufen. An der Verurteilung änderte dies jedoch nicht mehr.
Epilog
Der Liesner Hof blieb nach der Verurteilung des Anton Hilbt vermutlich einige Jahre vakant. Vieles deutet darauf hin, dass sich Anton Hilbts jüngster Halbbruder Heinrich Hilbt gnt. Thesker, der Vater seines Neffen Heinrich, zunächst um den Hof kümmerte. Im Oktober 1926 wurde das Gut zur Verpachtung ab dem 11.11.1926 ausgeschrieben. Gleichzeitig wurden der gesamte Viehbestand, sämtliche Vorräte und das vollständige Inventar des Hofes zum Verkauf angeboten. Heinrich Hilbt gnt. Thesker agierte hierbei als Generalbevollmächtigter des Eigentümers.

Anton Hilbt wurde vermutlich schon nach wenigen Jahren krankheitsbedingt aus dem Zuchthaus entlassen. Er starb am 15.09.1930 im Schöppinger Krankenhaus im Alter von 67 Jahren. Als sein Wohnsitz ist der Liesner Hof in Almsick Nr. 37 angegeben. Ob er tatsächlich noch einmal auf dem Hof gewohnt hat, ist nicht bekannt.
Seine einzige verbliebene Tochter Maria Hilbt, heiratete am 11.06.1929 in St. Jacobus in Coesfeld den am 24.10.1899 in Gronau geborenen Bernhard Tieke. Die Eheleute bewohnten zunächst den Hof Ebbinghoff Nr. 10 in Schöppinger. Später zogen sie wieder auf den Liesner Hof. Hier starb Bernard Tieke am 30.11.1965. Maria Hilbt starb ebenfalls auf dem Liesner Hof am 03.02.1982. Maria Hilbts Vetter Heinrich Hilbt fiel dem 2. Weltkrieg zum Opfer. Er gilt seit 1945 als vermisst an der Ostfront.
Die treue Magd Anna Terschluse wohnte und arbeitete noch bis zu ihrem Lebensende auf dem Liesner Hof. Sie starb dort nach 60 Jahren Dienst für den Hof und seine Bewohner am 09.02.1941 im Kreise ihrer Ersatzfamilie

© H. Krasenbrink
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Quellen:
Ahauser Kreiszeitung, 42 (06/12/1922) 282
Münsterischer Anzeiger, 72 (05/10/1923) 507
Münsterische Zeitung, 54 (23/04/1924) 99
Münsterische Zeitung, 54 (23/04/1924) 99
Westfälischer Merkur, 102 (05/10/1923) 286
Ahauser Kreiszeitung, 43 (30/11/1923) 277
Ahauser Kreiszeitung, 44 (31/01/1924) 30
Ahauser Kreiszeitung, 44 (05/04/1924) 95
Münsterischer Anzeiger, 75 (24/10/1926) 998
Kirchenbuch St.-Martinus, Wessum, KB011/Seite 119
Abbildungen:
Abbildung 1: Ahauser Kreiszeitung,42 (15/12/1922) 289
Abbildung 2: Messtischblatt 1895
Abbildung 3: Münsterischer Anzeiger, 75 (24/10/1926) 998
Abbildung 4: Totenzettel Anna Terschluse
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