Zum Ende des 19. Jahrhunderts platzte die Bocholter Altstadt aus allen Nähten und es entstanden zahlreiche neue Textilfabriken und Arbeiterkolonien in der Feldmark. Im Westen der Stadt war die Spinnerei Rothe Erde ein Treiber dieser Entwicklung. Zu Hunderten zogen Arbeiter in die neuen Quartierte an die Werther Straße – soziale Begleiterscheinungen inklusive. Als hätte…
Rund um die Bauernhochzeit wurde seit jeher im Westmünsterland ein reichhaltiges, teils fragwürdiges Brauchtum gepflegt. So war es in der kleinen Landgemeinde Heiden unter den jungen Leuten üblich, anlässlich des ersten Aufgebotes ein Fass Bier zu leeren. Auf dem Hof des Bauern Tekülve in Leblich uferte diese frühere Form des Junggesellenabschiedes allerdings aus. Am…
Der Uhrmacher Bernhard Ströing konnte wirklich zur Plage werden. Schickte man ihn vorne zur Tür hinaus, dann kam er hinten wieder herein. Bis er eines Tages den Bogen überspannte. Mit festem Griff packte er den Burschen an den Kragen und zerrte ihn ins Freie. Hinter dem Haus war ein Wassergraben. Dort warf er ihn hinein,…
Der Holzschuhmacher Johann Schülingkamp war schon seit längerem dem Alkohol verfallen. Bei seinen häufigen Abstürzen fühlten sich seine Nachbarn dazu berufen, für Ruhe und Ordnung zu sorgen. Aber von Zivilcourage zur Selbstjustiz ist es nur ein kleiner Schritt. Wer solche Nachbarn hat, braucht keine Feinde mehr. Schon vor Jahren hatte es angefangen – immer dann,…
In Ramsdorf herrschte zu Beginn des 20. Jahrhundert noch immer beklemmende Enge. Die kleine Ackerbürgerstadt beheimatete in ihren alten Mauern zwar nur wenige Hundert Seelen. Doch vor allem in den kleinen Häusern am Rand war mächtig viel Druck im Kessel. Druck, der sich gelegentlich in Form von Gewalt entlud. Joseph Pirick hatte genug. Er…
Um 1900 waren Hochzeiten erstrangige gesellschaftliche Ereignisse, zu denen oft die ganze Bauernschaft eingeladen war. Weil dabei immer reichlich Alkohol floß, liefen die Festlichkeiten zuweilen aus dem Ruder oder arteten regelrecht aus. Auf dem Hof Wissing in Hemden kam es so erst zu einem Eklat, dann zu Handgreiflichkeiten und schließlich zur Tragödie. Der Volksmund…
Heinrich Schötteler und Johann Gervert pflegten eine innige Feindschaft. Johann war mit Heinrichs jüngerer Schwester verlobt, doch dem großen Bruder war der Schwager in spe nicht gut genug. Am Neujahrstag 1892 gerieten die beiden Streithähne mal wieder heftig aneinander, bis ein Dritter dazwischen ging. Der Pfarrer Hermann Harrier hatte seiner Gemeinde gerade seinen Neujahrssegen gespendet,…
Alteingesessene Bocholter mussten sich zu Beginn des 20. Jahrhunderts hin und wieder die Augen reiben. Aus ihrer beschaulichen Kleinstadt war innerhalb weniger Jahrzehnte ein heißes Pflaster geworden. Wer sich zur falschen Zeit am falschen Ort aufhielt, konnte leicht in Schwierigkeiten geraten. Im März 1905 kam es zu einem traurigen Höhepunkt dieser Entwicklung. In einer Frage…