Wilhelm Hufe neigte zu unkontrollierten Wutausbrüchen. Als sogenannter „schwer Erziehbarer“ überforderte er nicht nur seine Mutter, sondern auch die Pädagogen und sozialen Einrichtungen seiner Zeit. Letztere schadeten zu Beginn des 20. Jahrhunderts häufig mehr, als sie nützten. In der beklemmenden Enge der Bocholter Altstadt kam es so zu einer dramatischen Eskalation. Die…
Josef Otten hatte die Arbeit nicht gerade erfunden. Mal gab er sich als Weber, mal als Verputzer aus. Viel lieber verbrachte er aber seine Zeit mit Freunden auf ausgedehnten Zechtouren durch die Wirtshäuser. Dort war er meist gern gesehen, denn mit einigen Zauberkunststückchen und Taschenspielertricks konnte er durchaus eine Kneipe unterhalten. Seinen Lohn dafür erhielt…
Im Bocholter Westen herrschte seit einigen Jahren ein Dreiklang aus Arbeiten, Wohnen und Vergnügen. Anfang des Jahres 1899 hatte die neue Textilfabrik Rothe Erde ihren Betrieb aufgenommen und rund herum entstand ein neue Arbeiterkolonie. Die Gastronomie hatte den Bocholter Westen schon 30 Jahre zuvor für sich entdeckt. Aber wo viel Licht ist, ist auch viel…
Zum Ende des 19. Jahrhunderts platzte die Bocholter Altstadt aus allen Nähten und es entstanden zahlreiche neue Textilfabriken und Arbeiterkolonien in der Feldmark. Im Westen der Stadt war die Spinnerei Rothe Erde ein Treiber dieser Entwicklung. Zu Hunderten zogen Arbeiter in die neuen Quartierte an die Werther Straße – soziale Begleiterscheinungen inklusive. Als hätte…
Rund um die Bauernhochzeit wurde seit jeher im Westmünsterland ein reichhaltiges, teils fragwürdiges Brauchtum gepflegt. So war es in der kleinen Landgemeinde Heiden unter den jungen Leuten üblich, anlässlich des ersten Aufgebotes ein Fass Bier zu leeren. Auf dem Hof des Bauern Tekülve in Leblich uferte diese frühere Form des Junggesellenabschiedes allerdings aus. Am…
Dem Anschein nach führten Bernard Updarp und Bernardina Becks ein bescheidenes, aber glückliches Leben. Und tatsächlich brachten die Eheleute mit dem Geld, das sie in der Fabrik verdienten, sich und ihren kleinen Sohn einigermaßen über die Runden. Doch der Schein trügte, denn auf Bernards Seele lag ein finsterer Schatten, der den 26-Jährigen von Zeit zu…
Eigentlich war die 34-jährige Johanna Rümping nur zu bedauern. Schon ihre Kindheit in Nordbrock war ein einziges Trauerspiel. Später war sie in ihrer Einfältigkeit ein leichtes Opfer für Männer, die es nicht gut mit ihr meinten. Bis sie eines Tages ihr Schicksal selbst in die Hand nahm. Am Dienstag, den 27. April 1897 klopfte…
Um 1900 waren Hochzeiten erstrangige gesellschaftliche Ereignisse, zu denen oft die ganze Bauernschaft eingeladen war. Weil dabei immer reichlich Alkohol floß, liefen die Festlichkeiten zuweilen aus dem Ruder oder arteten regelrecht aus. Auf dem Hof Wissing in Hemden kam es so erst zu einem Eklat, dann zu Handgreiflichkeiten und schließlich zur Tragödie. Der Volksmund…
Alteingesessene Bocholter mussten sich zu Beginn des 20. Jahrhunderts hin und wieder die Augen reiben. Aus ihrer beschaulichen Kleinstadt war innerhalb weniger Jahrzehnte ein heißes Pflaster geworden. Wer sich zur falschen Zeit am falschen Ort aufhielt, konnte leicht in Schwierigkeiten geraten. Im März 1905 kam es zu einem traurigen Höhepunkt dieser Entwicklung. In einer Frage…