Gegen Ende des 19. Jahrhunderts gab es in Bocholt eine rege Diskussion über die zunehmende Unsicherheit auf den Straßen. Die Ordnungskräfte seien unterbesetzt und könnten den Bocholter Verhältnissen nicht mehr gerecht werden. Ob aber mehr Polizeipräsenz das Verbrechen verhindert hätte, das sich im Januar 1898 vor dem Ostertor zutrug, darf bezweifelt werden. …
Die Wanderschaft war für Handwerksgesellen seit jeher ein wichtiger Schritt für die Persönlichkeitsbildung. Damit am Ende dieses Lebensabschnittes ein gereifter Mensch in die Heimat zurückkehrte, war diese Zeit strengen Sitten und Gebräuchen unterworfen. Einige Gesellen nahmen es mit diesen Regeln jedoch nicht so genau, verfielen dem Müßiggang und gerieten schließlich auf die schiefe Bahn. …
Wilhelm Hufe neigte zu unkontrollierten Wutausbrüchen. Als sogenannter „schwer Erziehbarer“ überforderte er nicht nur seine Mutter, sondern auch die Pädagogen und sozialen Einrichtungen seiner Zeit. Letztere schadeten zu Beginn des 20. Jahrhunderts häufig mehr, als sie nützten. In der beklemmenden Enge der Bocholter Altstadt kam es so zu einer dramatischen Eskalation. Die…
Josef Otten hatte die Arbeit nicht gerade erfunden. Mal gab er sich als Weber, mal als Verputzer aus. Viel lieber verbrachte er aber seine Zeit mit Freunden auf ausgedehnten Zechtouren durch die Wirtshäuser. Dort war er meist gern gesehen, denn mit einigen Zauberkunststückchen und Taschenspielertricks konnte er durchaus eine Kneipe unterhalten. Seinen Lohn dafür erhielt…
Die historische Figur des Kiepenkerls gilt als ein Symbol des Münsterlandes und ist bis heute positiv besetzt. Dem wandernden Händler wurden nicht nur zahlreiche Denkmäler gesetzt, sondern er muss bis heute mit seinem Namen für Saatgut, Gaststätten und sogar Radiosender herhalten. Aber nicht allen Kiepenkerlen waren die Leute wohlgesonnen, denn es gab auch zwielichtige Gestalten…
Im Bocholter Westen herrschte seit einigen Jahren ein Dreiklang aus Arbeiten, Wohnen und Vergnügen. Anfang des Jahres 1899 hatte die neue Textilfabrik Rothe Erde ihren Betrieb aufgenommen und rund herum entstand ein neue Arbeiterkolonie. Die Gastronomie hatte den Bocholter Westen schon 30 Jahre zuvor für sich entdeckt. Aber wo viel Licht ist, ist auch viel…
Zum Ende des 19. Jahrhunderts platzte die Bocholter Altstadt aus allen Nähten und es entstanden zahlreiche neue Textilfabriken und Arbeiterkolonien in der Feldmark. Im Westen der Stadt war die Spinnerei Rothe Erde ein Treiber dieser Entwicklung. Zu Hunderten zogen Arbeiter in die neuen Quartierte an die Werther Straße – soziale Begleiterscheinungen inklusive. Als hätte…
Um 1900 waren Hochzeiten erstrangige gesellschaftliche Ereignisse, zu denen oft die ganze Bauernschaft eingeladen war. Weil dabei immer reichlich Alkohol floß, liefen die Festlichkeiten zuweilen aus dem Ruder oder arteten regelrecht aus. Auf dem Hof Wissing in Hemden kam es so erst zu einem Eklat, dann zu Handgreiflichkeiten und schließlich zur Tragödie. Der Volksmund…
Alteingesessene Bocholter mussten sich zu Beginn des 20. Jahrhunderts hin und wieder die Augen reiben. Aus ihrer beschaulichen Kleinstadt war innerhalb weniger Jahrzehnte ein heißes Pflaster geworden. Wer sich zur falschen Zeit am falschen Ort aufhielt, konnte leicht in Schwierigkeiten geraten. Im März 1905 kam es zu einem traurigen Höhepunkt dieser Entwicklung. In einer Frage…