Die Ehe von Heinrich Stegemann und Maria Tücking hatte holprig begonnen. Als Maria im Mai 1842 im Alter von 28 Jahren in der Rheder Bauerschaft Krommert ihren Erstgeborenen zur Welt brachte, übernahm der zehn Jahre ältere Stegemann die Verantwortung für das vermeintliche Malheur. Er ehelichte Maria einen Monat später und bekannte sich zur Vaterschaft. Bald darauf zog die junge Familie nach Homer ins Kirchspiel Borken, wo in den Jahren 1845 und 1848 zwei weitere Knaben das Licht der Welt erblickten. Nach einem erneuten Umzug nach Rhede gebar Maria 1852 noch eine Tochter – die Familie war komplett.

Heinrich Stegemann, gnt. Ten Sonderen wurde am 15.05.1804 in Brünen geboren. Johanna Maria Tücking wurde am 24.02.1814 in Krommert geboren. Die Eheleute heirateten am 25.06.1842 in St.-Gudula in Rhede. Sie hatten vier Kinder:

  • Johann Bernhard Heinrich Steggemann *08.05.1842 in Krommert
  • Johann Heinrich, *27.04.1845 in Homer
  • Johann Steggemann, *26.07.1848 in Homer, +29.03.1907 in Borken
  • Maria Catharina Steggemann *09.09.1852 in Rhede +25.05.1880 in Raesfeld

Als mittelloser Ackersknecht konnte Stegemann den Seinen kaum mehr bieten als Schweiß und harte Entbehrungen. Das tägliche Brot musste im Tagelohn mühsam beim Bauern verdient werden. Doch Stegemann tat alles, was in seiner Macht stand, um die Familie bescheiden durchzubringen. Dies hatte ihm den Ruf eines redlichen, fleißigen Mannes eingebracht.

Doch all diese Widrigkeiten hatten Stegemann über die Jahre nicht verbittern können, sondern er hatte sich seinen besonnenen und gutmütigen Charakter bewahrt. Deshalb nannten ihn seine Mitmenschen auch „den Öhm“. Seine Frau Maria hätte sich glücklich schätzen können, doch stattdessen hatte sie nur noch Augen für diesen 26-jährigen Burschen aus Vardingholt.

Stegemann zog es ins „Cölnische Land“

Auch in Rhede wurde Stegemann nicht recht sesshaft; vielmehr hielt er Augen und Ohren stets offen nach Möglichkeiten, seine Lebensbedingungen zu verbessern. Es mochte ihm wohl nicht entgangen sein, dass etliche Angehörige der ländlichen Unterschicht ihr Heil in der Neuen Welt suchten. Doch Stegemann hatte seinen Zenit bereits überschritten, und die Überfahrt war kostspielig. Zum alten Eisen gehörte er indes noch keineswegs. Warum also in die Ferne schweifen, wenn das Gute so nahe lag?

Es war allgemein bekannt, dass nur wenige Wegstunden von Rhede entfernt höhere Löhne gezahlt wurden als im beschaulichen Münsterland. Das Vest Recklinghausen, welches einst zum Kurfürstentum Köln gehört hatte, lag in greifbarer Nähe. Die Region südlich der Lippe war gegen Mitte des 19. Jahrhunderts zwar noch weitgehend ländlich geprägt, doch die aufkeimende Industrialisierung im nahegelegenen Ruhrgebiet warf ihre Schatten bereits voraus. Sie führte zu einer steigenden Nachfrage nach Arbeitskräften, die bis in das südliche Münsterland ausstrahlte. So zog Stegemann im Laufe des Jahres 1855 ins Vest Recklinghausen, um dort in die ersehnte, besser entlohnte Arbeit zu treten.

In der Heimat begann die Ehefrau eine Affäre

Während dieser Zeit der Trennung verblieb Maria mit den Kindern in Rhede, wo sie bis zum Mai des Jahres 1857 im Hause des Maurers Schmitz eine Bleibe fand. Dort sollte das Verhängnis seinen Lauf nehmen: Im November 1856 trat der junge Brettschneider Gerhard Terwege in ihr Leben, der kurz darauf ebenfalls eine Wohnung im Schmitzen Hause bezog. Anfangs wusch Maria für Terwege nur die Wäsche, wofür er sie im Gegenzug mit Brennholz versorgte. Mit der Zeit entwickelte sich jedoch zwischen der einsamen Ehefrau und dem neuen Hausgenossen ein vertrautes Verhältnis. Obgleich diese Beziehung vielen im Umfeld ins Auge fiel, blieb der gutgläubige Stegemann vollkommen ahnungslos.

Johann Gerhard Terwege wurde am 21.06.1831 in Vardingholt Spoler geboren. Seine Eltern waren der Kötter Johann Henrich Terwege und Johanna Rötering gnt. Döing. Gerhard Terwege hatte noch zwei Brüder.

Wenn der „Öhm“ auf seinen seltenen Besuchen in die Rheder Heimat zurückkehrte, pflegte er mit Terwege sogar ein überaus freundschaftliches und argloses Auskommen. Zu jener Zeit stand er als Knecht in den Diensten des angesehenen Arztes Dr. Adolf Timphaus, einem Vertrauten des Essener Industriellen Alfred Krupp. Der Medikus bewohnte und bewirtschaftete in Buer unter der Hausnummer 111 ein größeres Anwesen und suchte damals händeringend nach einer weiteren verlässlichen Hilfskraft. In bester Absicht empfahl Stegemann seinem Herrn ausgerechnet Terwege, den er für einen redlichen Burschen hielt.

Familienzusammenführung in Gladbeck

So kam es, dass um die Fastnachtszeit des Jahres 1857 Terwege in Begleitung von Stegmanns Ehefrau Maria von Rhede ins Vest Recklinghausen reise. In Buer stellte sich der damals 25-Jährige bei Dr. Timphaus vor. Mit dem Arzt konnte er sich jedoch nicht über den Lohn einigen. Stegemann bemühte sich jedoch weiter um den jungen Mann und versuchte, ihm eine Stelle beim Schulzen Rebbelmund im nahegelegenen Gladbeck zu vermitteln. Auf dem Schulzenhof in der Bauerschaft Zweckel hatte er schließlich mehr Erfolg.

Längst trug sich der alternde „Öhm“ mit dem Wunsch, seine Familie ganz zu sich ins Vest nachzuholen. Da sich in Buer jedoch keine passende Unterkunft finden lassen wollte, lenkte er seinen Blick nach Gladbeck, das wenige Kilometer westlich lag. Dort fand er für sich und seine Familie eine passende Wohnung. Im Mai 1857 war es schließlich so weit: Stegemann holte seine Frau Maria und die Kinder nach Gladbeck, und die Familie war wieder vereint.  

Nur wenig später traf auch Terwege in Gladbeck ein, um seinen Dienst beim Schulzen Rebbelmund anzutreten. Für eine Nacht nahm Stegemann den vermeintlichen Freund gastfreundlich unter seinem Dach auf; Terwege ließ gar seinen Wäschekoffer dort zurück. Von nun an ging der junge Bursche unter dem Vorwand, seine Wäsche zu tauschen, regelmäßig im Hause Stegemann ein und aus – und nutzte die Stunden, in denen der Hausherr nicht zu Hause war, um seine heimliche Liaison mit Maria fortzusetzen. Als Maria später ebenfalls als Tagelöhnerin auf dem Hofe des Schulzen Rebbelmund Arbeit fand, waren den beiden vollends Tür und Tor geöffnet, um unbeobachtet viel Zeit miteinander zu verbringen.

Dann wurde Terwege krank

Kaum zehn Wochen stand Terwege in Diensten des Schulzen Rebbelmund, als ihn eine schwere Erkrankung darniederwarf. Sechs lange Wochen siechte der junge Bursche dahin – und fand ausgerechnet im Hause der Stegemanns in Gladbeck Aufnahme. Mitleidig richtete man ihm im Erdgeschoss eine eigene Kammer mit einem Bett her. Stegemann vermittelte ihm die ärztliche Hilfe seines Dienstherrn, Dr. Timphaus. Die tägliche Pflege des Kranken übernahm wie selbstverständlich Maria.

Doch während dieser Wochen des engen Zusammenlebens wuchs in Stegemann ein Verdacht. Dem alternden Knecht dämmerte allmählich, dass seine Ehefrau ihn schandbar hinterging. Er musste miterleben, wie sich das Wesen seiner Gattin veränderte: Des Abends verweigerte sie ihm jegliches Gespräch und strafte ihn mit eisigem Schweigen. Zu nächtlicher Zeit schlich sich Maria mehr als einmal in der Dunkelheit in die Kammer des kranken Nebenbuhlers und verweilte dort bis zum Morgengrauen.

Nach seiner Genesung trat Terwege wieder seinen Dienst bei Schulze Rebbelmund an. Seinem Verhältnis mit Maria tat dies jedoch keinen Abbruch. Vielmehr wurde es auch für Außenstehende und vor allem für Stegemann immer offenkundiger, dass Maria ihm die Hörner aufsetzte. Doch der „Öhm“ wollte nicht länger als ein solcher gelten und konfrontierte seine Frau mit seiner Erkenntnis. Er überhäufte Maria mit Vorwürfen, jedoch ohne auf Einsicht zu stoßen. Vielmehr kam es vollends zum Zerwürfnis der Eheleute. Anfang September 1857 war es dann so weit: Maria packte ihre Sachen und kehrte nach Rhede zurück.

Der Pfarrer wurde eingeschaltet

Stegemann setzte jetzt alles daran, seine Frau wieder auf den Pfad der Tugend zurückzuführen. Hierzu wandte er sich an Pastor Theodor Enbergs, den Pfarrer von St. Lambertus in Gladbeck. Er verlangte von dem geistlichen Würdenträger, Maria zur Rückkehr in den ehelichen Stand zu bewegen – schließlich galt das Wort der Kirche im Dorf als unumstößliche moralische Instanz. Doch auch die Autorität des Pfarrers hatte ihre Grenzen: Enbergs wirkte im beschaulichen Gladbeck, während Maria sich inzwischen einen Tagesmarsch entfernt, im westmünsterländischen Rhede aufhielt. Für Terwege und Maria hingegen bildete diese Distanz kein Hindernis; sie setzten ihre Affäre trotz der Entfernung unbeirrt fort.

Unterdessen hatte der Bursche seine Arbeitsstelle gewechselt und war schließlich doch noch bei keinem Geringeren als Dr. Timphaus in Buer in Dienst getreten. Damit waren Terwege und Stegemann plötzlich zu Arbeitskollegen auf demselben Hof geworden. Wie groß und bitter muss die Schmach für den „Öhm“ gewesen sein, Tag für Tag seinem jungen Nebenbuhler unter die Augen treten zu müssen? Ein letztes Ass hatte Stegemann jedoch noch im Ärmel: In seiner Gladbecker Behausung lagerte nach wie vor der Wäschekoffer des Burschen.

Es kam, wie es kommen musste: Eines Tages stand Terwege vor Stegemanns Tür und bestand auf die Herausgabe seiner Habseligkeiten. Doch Stegemann dachte gar nicht daran, ihm den Koffer auszuhändigen. Stattdessen hielt er ihm entgegen, dass er ihm noch Geld für die erhaltene Krankenpflege, Kost und Logis schulde. Terwege blieb nichts anderes übrig, als unverrichteter Dinge wieder abzurücken.

Bei nächster Gelegenheit suchte Terwege seine Geliebte in Rhede auf und berichtete ihr davon, was ihm in Gladbeck widerfahren war. Maria war erbost über die Störrigkeit ihres Ehemannes. Daher begleitete sie Terwege an einem Sonntag ins Vest, um ihm dabei zu helfen, des Koffers wieder habhaft zu werden. In der Nähe von Buer übernachteten die beiden. Am nächsten Morgen liehen sie sich von Dr. Timphaus Pferd und Wagen und fuhren damit nach Gladbeck zu Stegemanns Haus. Mit dem stattlichen Gespann des angesehenen Arztes ließ sich gewiss Eindruck schinden; Stegemann sollte durchaus vor Augen geführt bekommen, dass der junge Terwege in der hohen Gunst seines Dienstherren stand. Der Alte blieb jedoch stur und rückte den Koffer partout nicht heraus. Sollte der Bursche doch sehen, wie er ohne seine Habseligkeiten durchs Leben kam.

Maria suchte das Weite  

Tatsächlich sollte es noch bis zum Abend des darauffolgenden Tages dauern, ehe Terwege wieder mit Pferd und Wagen bei Dr. Timphaus in Buer ankam und bei dem Arzt wieder seine Arbeit aufnahm. Niemand wusste so recht, wo sich die beiden herumgetrieben hatten. Um den Burschen war es Stegemann herzlich egal, aber wo steckte seine Frau Maria jetzt? Sollte sie sich etwa irgendwo in der Umgebung versteckt halten, um im Verborgenen ihre Liebschaft mit Terwege zu pflegen? In dem Alten stieg eine bittere Mischung aus Sorge, Wut und tiefer Enttäuschung auf.

Erneut führte ihn sein erster Weg zu Pastor Enbergs. Diesmal sah sich der Geistliche zum Handeln gezwungen und wandte sich an Felix Hölscher, den neuen Amtmann von Buer. Schriftlich forderte er den Beamten auf, kraft seines Amtes dafür Sorge zu tragen, dass die untreue Ehefrau dem Ehemann wieder zugeführt werde.

Abbildung 1: Amtmann Felix Hölscher

Stegemann selbst begab sich mit dem Brief auf die Buersche Amtsstube und klagte dem Amtmann Hölscher sein Leid. Nun war es Sache der lokalen Ordnungshüter, die Sittenbrüchige ausfindig zu machen. Den Gendarmen gelang es zwar nicht, Maria aufzugreifen, doch ihre Nachforschungen blieben nicht erfolglos: Sie fanden heraus, dass Maria inzwischen wieder nach Rhede zurückgekehrt war. Also machte sich Stegemann einige Tage später ebenfalls auf den Weg nach Rhede. Und tatsächlich traf Stegemann sie dort an.

Schon am nächsten Tag führte Stegemann seine Frau zurück nach Gladbeck. Sein Weg führte ihn direkt ins Pfarrhaus zum Pastor Enbergs. Unter den strengen Augen des Geistlichen las der Alte seiner Ehefrau gehörig die Leviten. Auch der Pfarrer tat das Seine und schärfte Maria mit dem moralischen Nachdruck der Kirche ihre gottgewollten ehelichen Pflichten ein. Schließlich lenkte Maria ein – was blieb ihr auch anderes übrig? Und es schien tatsächlich, als ob die beiden Eheleute sich noch einmal zusammenrauften.

Das Tischtuch blieb zerschnitten

Es sollte jedoch nicht lange dauern, bis der vermeintliche häusliche Frieden erneut brüchig wurde. Maria nahm jetzt kein Blatt mehr vor den Mund: Mehreren Menschen ihres Umfeldes erzählte sie nun, dass sie Stegemann verlassen und sich irgendwo in Buer eine neue Bleibe suchen wolle. Bei ihrem Kerl wolle sie nicht mehr bleiben. Dazu lasse sie sich weder vom Pastor noch vom Bürgermeister und auch nicht von der Polizei zwingen. Eher wolle sie sich ihren Kerl vom Halse schaffen. Als man sie auf ihre moralischen Verfehlungen hinwies und dass sie doch mit Terwege unerlaubten Umgang pflege, wollte sie davon nichts wissen. Terwege sei ein guter Junge und sie hätte sich nur um ihn gekümmert, als er krank darnieder lag. Er habe sie niemals berührt. Ihr Kerl solle aber sein Fett dafür abkriegen, dass er ihn immer so schlecht machen würde.

Inzwischen war der Herbst ins Land gezogen. Am Sonntag, dem 8. November 1857, erhielt Maria Besuch von ihrem Schwager Heinrich Klein-Hitpass, der in Krommert einen Kotten bewohnte. Klein-Hitpass war der zweite Ehemann ihrer Schwester, Johanna Mechthild Tücking. Gemeinsam mit ihrem Schwager machte sich Maria an diesem Tag weiter auf dem Weg nach Buer, um dort Klein-Hitpass‘ Stiefsohn – ihren Neffen Heinrich Wilhelm Steenkamp – zu besuchen. Für Maria bot dies eine willkommene Gelegenheit, um Zeit mit Terwege zu verbringen. Der Bursche hatte sich auf dem Hof des Dr. Timphaus inzwischen den Ruf eines tüchtigen Arbeiters erworben, und genoss nun seinen freien Sonntag.

In Buer verbrachte Maria zunächst noch einige gemeinsame Stunden im Kreise ihrer Familie, ehe schließlich auch Terwege zu ihnen stieß. Als am Abend die Stunde des Abschieds schlug, verabredete man bereits für den darauffolgenden Sonntag ein Wiedersehen in Krommert. Klein-Hitpass, der im Nebenberuf Holzschuhmacher war, hielt in seiner heimischen Werkstatt noch einige Paare Klumpen bereit, die abgeholt werden sollten. Dann trennten sich die Wege der Verwandten.

Für ihren Heimweg durch die Finsternis nach Gladbeck nahm Maria nur allzu gern die Begleitung ihres Geliebten in Anspruch. Ihrem Ehemann war dies jedoch nicht verborgen geblieben und der nächste Streit war unausweichlich. Als Maria zu Hause ankam, schaltete Stegemann auf stur. Er hatte die Haustür kurzerhand von innen verriegelt; seine Frau sollte ruhig zusehen, wo sie die Nacht verbrachte. Und weil der Alte sich nicht erweichen ließ, blieb Maria nichts anderes übrig, als bei ihren Nachbarn anzuklopfen, um dort um Asyl für die Nacht zu bitten.     

Ein Trunkenbold am Wegesrand

Am darauffolgenden Sonntag – es war der 15. November 1857 – war der 44-jährige Leinenweber Theodor Gardenier schon in aller Herrgottsfrühe auf den Beinen. Er war auf dem Weg von Gladbeck in Richtung der nördlich vom Dorf gelegenen Bauerschaft Zweckel. Etwa 15 Minuten hinter dem Ortsausgang, ungefähr an der Stelle, wo der alte Weg nach Buer abzweigte, vernahm er ein leises Röcheln am Straßenrand.

Abbildung 2: Gladbeck und Buer auf einer Karte von 1845

Sehen konnte Gardenier nichts. Kurz vor Neumond war der Herbstmorgen noch stockfinster. Aber was kümmerte es ihn schon? Es kam schließlich häufiger vor, dass einem Zecher der letzte Schnaps nicht bekommen war. Der Leinenweber ließ sich nicht aufhalten und ging weiter seines Weges.

In Gedanken hing Gardenier seiner Beobachtung noch nach, als ihm kurz darauf eine weitere Person begegnete. Er wünschte einen guten Morgen und teilte ihr mit, was er einige Minuten zuvor vernommen hatte. Als jener an der beschriebenen Stelle vorbeikam, blieb er kurz stehen. Er stieß den angeblichen Nachtschwärmer an und forderte ihn auf, aufzustehen. Doch dieser regte sich nicht. So setzte auch der zweite Wanderer seinen Weg fort.

Abbildung 3

Erst um halb sieben, als die Dunkelheit dem ersten Dämmerlicht wich, erreichte der Ackersmann Löns aus der Gladbecker Bauerschaft Rentfort die Stelle – und machte eine grausige Entdeckung. Der vermeintliche Trunkenbold war eine Leiche. Lange konnte der Mann noch nicht tot sein, denn der Körper war noch nicht erkaltet. Und Löns sah noch mehr: Überall waren Blutspuren sichtbar, und der Tote wies furchtbare Verletzungen am Hals auf. Am Boden lag ein Knüppel. Löns hob ihn auf, machte sich schnellstens auf den Weg ins Dorf und berichtete der Polizei von seiner Entdeckung. Schon kurz darauf waren Gendarmen vor Ort.

War es Mord?

Rasch wurde eine Gerichtskommission zusammengestellt, die unverzüglich die Ermittlungen aufnahm. Es dauerte nicht lange, den Toten zu identifizieren. Es war Stegemann, der „Öhm“. Obwohl er erst seit wenigen Jahren in Gladbeck wohnte, so kannte ihn doch jeder in dem beschaulichen Dorf. Und weil an diesem Vormittag ohnehin die Menschen aus dem gesamten Kirchspiel zusammenströmten, um ihren sonntäglichen Pflichten nachzukommen, verbreiteten sich die schrecklichen Neuigkeiten in Windeseile über die ganze Region.

Eine Schlüsselrolle bei den Ermittlungen fiel dem Recklinghäuser Kreisphysikus, dem Sanitätsrat Dr. Decker, zu. Der Arzt hatte in all den Jahrzehnten seines Wirkens schon vieles gesehen, aber Stegemanns grässliche Verletzungen ließen selbst ihn erschaudern. Der Tote wies am Hals mehrere klaffende Wunden auf. Die Schnitte waren so tief, dass das Zungenbein vom Kehlkopf abgetrennt worden war. Der Tod war schließlich durch Verblutung und Atemstillstand eingetreten.

Ohne Zweifel waren Stegemann die Wunden durch fremde Hand zugefügt worden. Vieles deutete darauf hin, dass der Täter den Alten von hinten angegriffen, ihn zu Boden geworfen und festgehalten und ihm dann mit einem schweren Messer die tödlichen Schnitte beigebracht hatte. Stegemann war offenbar kaltblütig ermordet worden. Und noch etwas bemerkten die Ermittler: Stegemann trug noch seine Geldbörse bei sich, womit ein Raubmotiv sehr wahrscheinlich nicht in Frage kam.

Alles deutete auf eine Beziehungstat hin

Die Ermittlungen konzentrierten sich daher auf das persönliche Umfeld Stegemanns. Sogleich erfuhren die Ermittler von den Eheproblemen des Alten und von der Affäre seiner Frau, die nun Witwe war. Dann ging es Schlag auf Schlag: Noch am selben Nachmittag wurde Stegemanns Nebenbuhler Terwege als dringend Tatverdächtiger in Haft genommen.

Viel hatte der 26-Jährige nicht zu seiner Entlastung vorzubringen, wenngleich er vehement bestritt, die Bluttat begangen zu haben. Am nächsten Morgen führte man Terwege zu Stegemanns Leiche. Doch der Bursche blieb bei seiner Aussage, nichts zu wissen und nichts getan zu haben. Er gab sogar vor, den Toten nicht einmal zu kennen. Die Ermittler hielten Terwege vor, dass er doch ein Verhältnis mit Maria pflege. Er stritt nicht ab, ihr am Sonntag vor dem Mord begegnet zu sein. Unter dem Druck des Verhörs räumte er dann aber ein, dass sie sich auch am darauffolgenden Tag noch gesehen hätten.

An jenem Montag sei Maria außerordentlich wütend auf ihren Ehemann gewesen, gab Terwege zu Prokoll. Der Alte habe sie nicht ins Haus gelassen, weshalb sie beim Nachbarn habe übernachten müssen. Sie habe gemeint, dass sie ihren Mann am liebsten erschlagen würde. So könne es nicht weitergehen. Terwege habe noch versucht, sie zu beruhigen. An so etwas dürfe sie nicht denken.

Aber auch mit dieser Aussage gaben sich die Ermittler nicht zufrieden. Von weiteren Zeugen erfuhren sie, dass Terwege und Maria sich auch im späteren Verlauf der Woche getroffen hatten. Als sie Terwege damit konfrontierten, verlangte er den Beistand eines Geistlichen. In dessen Gegenwart wolle er weitere Einzelheiten zu Protokoll geben.

Terwege belastete Maria schwer

Diesem Wunsch wurde entsprochen, und die Ermittler stellten Terwege einen Priester zur Seite. Dann begann er freimütig zu erzählen. Er gab zu, dass er und Maria sich am Donnerstag, dem 12. November, nochmals getroffen hätten. Schon vor längerer Zeit habe Maria habe ihm anvertraut, dass sie ihren Mann nie habe leiden können. Schon während der Zeit, als er bei Stegemann am Krankenlager saß, habe sie ihm ihr Leid geklagt. Später in Rhede habe sie sogar gesagt, dass das Leben ihres Gatten am seidenen Faden hängen würde, wenn sie wieder zu ihrem Mann müsse.

Tatsächlich seien dieser Ankündigung auch Taten gefolgt. Als Maria mit ihrem Mann die Bottroper Kirmes besucht habe, habe sie ihm Zündholzköpfchen in den Schnaps gemischt. Dieser Giftanschlag sei aber misslungen, weil Stegemann den Fusel nicht getrunken habe. Bei der nächsten Gelegenheit habe sie ihm die Zündholzköpfchen in den Pfannkuchen gebacken. Aber auch dieser Versuch sei gescheitert, weil er den glänzenden Schwefel rechtzeitig entdeckt habe. Sie habe sich dann mit einer Ausrede aus der Affäre gezogen.

Terwege fuhr fort: Maria sei fest entschlossen gewesen, ihren Mann aus dem Weg zu räumen. Sie habe ihn auch dazu aufgefordert, ihr dabei zu helfen. Als er dies abgelehnt habe, habe sie ihm schwere Vorwürfe gemacht. Am 9. November habe sie gemeint, dass entweder ihr Mann oder sie selbst weichen müsse. Wenn man tot sei, dann sei man halt tot. Die Gelegenheit sei günstig. Der Abend sei finster, und wenn irgendwer ihren Mann auf seinem Heimweg erschlagen würde, dann würde niemand dahinterkommen.

All diese Aufforderungen habe Terwege zurückgewiesen. Er könne nicht einfach seine Arbeit bei Dr. Timphaus verlassen, ohne dass jemand Verdacht schöpfe. Aber Maria habe nicht lockerlassen: Wo ein Wille sei, da sei auch ein Weg. Man würde ihn nicht verdächtigen, sondern ganz Gladbeck würde sagen, dass ihrem Mann recht geschehe. Die Kirchenglocken würden läuten, man würde ihn beerdigen und weiter würde nichts geschehen.

Am darauffolgenden Donnerstag habe Maria ihn nochmals aufgefordert, ihren Mann aus der Welt zu schaffen. Und wenn er erst tot sei, dann werde sie Terwege heiraten. Er habe jedoch all diese Aufforderungen fortwährend von sich gewiesen. Dass Stegemann sich am 15. November auf den Weg nach Rhede machen wollte, habe er nicht gewusst. Mit dem Mord habe er nichts zu tun, weil er zu jener Zeit in Buer bei Dr. Timphaus gewesen sei.

Dann folgte die zweite Verhaftung

Auch Maria war sofort nach dem Auffinden der Leiche ihres Mannes zu den Umständen seines Todes befragt worden. Anfangs deutete kaum etwas darauf hin, dass sie in den Mord verstrickt sein könnte. Aber ähnlich wie Terwege gab auch sie nach und nach zu, ihren Geliebten in den Tagen vor dem Mord mehrmals getroffen zu haben. Dies seien jedoch zufällige Begegnungen gewesen.

Später räumte Maria ein, Terwege von ihren Plänen erzählt zu haben, an jenem Sonntag in aller Frühe nach Rhede aufzubrechen. Stegemann sei dann gegen vier Uhr aufgestanden und sie habe ihm noch Kaffee gekocht. Nachdem ihr Mann das Haus verlassen hatte, habe sie sich wieder schlafen gelegt. Gegen sieben Uhr habe sie die Frühmesse besucht und erst danach vom Tod ihres Gatten erfahren. Maria blieb indessen beharrlich dabei, unschuldig zu sein.

Für die Ermittler klang all dies wenig glaubhaft. Vor allem Terweges schwere Anschuldigungen brachten die Witwe zunehmend in Bedrängnis. Am Donnerstag, dem 19. November, war das Maß schließlich voll: Ihre widersprüchlichen Angaben und die erdrückenden Aussagen ihres Geliebten reichten aus, um nun auch Maria zu verhaften und in das Gefängnis im benachbarten Dorsten zu überstellen.

Das Dorstener Gefängnis – ein Familienbetrieb

In Dorsten befand sich in jenen Jahren eine Deputation des Recklinghäuser Kreisgerichts. Dieser Justizbehörde diente der Dorstener Carl Blankschar als Gerichtsbote und Gerichtsvollzieher. Da das Gericht über einige Arrestzellen verfügte, hatte der preußische Beamte zugleich das Amt des Gefängniswärters inne. Blankschar war es also, der Maria im November 1857 sprichwörtlich hinter Schloss und Riegel brachte.

Nun saß Maria in ihrer Zelle ein und hüllte sich in wochenlanges Schweigen. Als die Alltagsroutine einkehrte, übertrug Blankschar die Betreuung des Untersuchungshäftlings seiner Frau Anna Hennebruck – weibliche Gefangene waren schließlich Sache der Frau. Sie versorgte die Inhaftierte mit karger Kost und leerte deren Notdurftkübel. Ab und zu wechselten die beiden Frauen auch ein Wort. Es wurde Weihnachten, doch die Witwe blieb beharrlich bei jener Aussage, die sie bereits im November zu Protokoll gegeben hatte.

Anna Hennebruck war offenbar eine leutselige Frau, die ein offenes Ohr für die Nöte der Gefängnisinsassen hatte. Ihr gelang es im Laufe der Wochen, Zugang zu Maria zu finden, sodass die Gefangene nach und nach Vertrauen fasste. Nach den Feiertagen war es schließlich so weit: Am 27. Dezember brach Maria ihr Schweigen und vertraute der Wärtersfrau an, wie es sich wirklich zugetragen hatte.

Am frühen Morgen des 15. November habe sie mit Stegemann das Haus verlassen, um sich gemeinsam auf den Weg nach Rhede zu machen. An jener Stelle, an der man Stegemanns Leiche später fand, sei ihr Mann ein Stück vorausgelaufen. Terwege sei dann plötzlich aus der Dunkelheit aufgetaucht, habe Stegemann von hinten Schläge ins Genick versetzt und schließlich die Bluttat vollbracht.

Im Gespräch von Frau zu Frau verschaffte sich Maria offenbar noch weitere Erleichterung ihres Gewissens. Sie sprach von ihrer großen Furcht, das Messer gegen ihren Mann zu richten und beteuerte nochmals, dass sie selbst keine Hand angelegt habe. Das Flehen und Jammern ihres Mannes habe sie deutlich vernommen. Es verfolgte sie auch noch weiter, als sie in ihrer Angst nach Hause gelaufen sei.  

Anna Hennebruck war fassungslos und hielt Maria die Ungeheuerlichkeit ihrer Tat vor. Die Witwe jedoch entgegnete nur, das Schicksal habe es so gewollt. Wenn es nicht an jenem Morgen geschehen wäre, dann eben an einem anderen Tag. Terwege habe ohnehin unentwegt gedroht, dass ihr Mann durch seine Hand sterben müsse.

Es kam wieder Bewegung in die Ermittlungen

Anna Hennebruck war aber auch eine pflichtbewusste Person. Selbstverständlich meldete sie den Ermittlern, was sie von Maria erfahren hatte. Die Untersuchungsrichter vernahmen daraufhin Maria erneut. Dabei wiederholte sie im Wesentlichen, was sie der Wärtersfrau gegenüber geäußert hatte. Die Ermittler erfuhren aber noch weitere Einzelheiten, die allesamt in ein umfassendes Geständnis mündeten.

Dabei gab Maria schließlich zu, Terwege am Montag und am Donnerstag vor dem Mord aufgefordert zu haben, ihren Mann zu ermorden – genau so, wie dieser es in seiner eigenen Vernehmung bereits dargestellt hatte. Er habe sie seinerseits massiv unter Druck gesetzt: Sie solle ihren Ehemann verlassen, andernfalls werde er sich umbringen. Sei ihr Mann jedoch erst einmal tot, werde er sie heiraten.  Am Donnerstag vor der Tat habe sie Terwege auch gesteckt, dass sie am Sonntag nach Rhede gehen wollten.

Der Bursche habe sich dies gemerkt und die beiden auf ihrem Weg abgefangen. In einem Augenblick, als ihr Mann ihr einige Schritte voraus war, habe Terwege zugeschlagen. Als sie in Panik nach Hause eilte, habe er sie kurz vor dem Dorf eingeholt. „Du musst mich nicht verklappen“, habe er ihr eingeschärft. „Ist er tot?“, fragte sie zurück. „Ja, ich habe ihm den Hals durchschnitten“, antwortete Terwege. Er habe ihrem Mann dabei ein Tuch vorhalten müssen, weil ihm sonst das Blut ins Gesicht gespritzt wäre. Es klebe noch an seinen Händen.      

Erneut wendete sich das Blatt

Durch Marias Geständnis lastete der Hauptverdacht wieder auf Terwege. Doch wer glaubte, der Bursche würde dem Druck nun nachgeben und reinen Tisch machen, sah sich getäuscht. Hartnäckig klammerte er sich an seine Behauptung, die Tat nicht begangen haben zu können, da er sich zur fraglichen Zeit auf dem Hof von Dr. Timphaus aufgehalten habe. Doch die Ermittler förderten unentwegt neue Indizien zutage, die den Verdächtigen in die Enge trieben.

Die Geschehnisse in den Stunden vor und nach dem Mord nahmen immer schärfere Konturen an. Nach Angaben der Familie Timphaus und des Gesindes war Terwege am Vortag wie gewohnt seiner Arbeit nachgegangen. Gegen Abend hatte er sich Schnaps besorgt – womöglich, um sich Mut anzutrinken. Kurz darauf erhielt er vom Sohn des Hauses den Auftrag, ihn und den Vater um vier Uhr morgens zu wecken. Diesen reichte er jedoch an eine Magd weiter. Sie weckte die Herren vereinbarungsgemäß um vier Uhr und legte sich wieder schlafen, ehe sie gegen sechs Uhr von Terwege geweckt wurde. Der Bursche behauptete später, ebenfalls um vier Uhr aufgewacht zu sein. Da er jedoch bemerkt habe, dass die Magd die Pflicht bereits erledigt hatte, sei er wieder im Bett geblieben.

Der Magd war zudem aufgefallen, dass Terwege am Vorabend ein Brotmesser aus der Küche an sich genommen hatte – angeblich, um sich die Fingernägel zu schneiden. Am Morgen nach der Tat lag das Messer wieder an seinem Platz, allerdings war der Griff merklich gelockert. Für Terwege verlief der Sonntag scheinbar wie gewöhnlich: Er besuchte die heilige Messe und ging seiner Arbeit nach. Als man ihm von der Tat berichtete, reagierte er auffällig kalt und teilnahmslos. Am Nachmittag wurde er dann verhaftet.

Terweges Alibi geriet immer mehr ins Wanken

Nach allen Aussagen blieben Terwege also rund zwei Stunden für die Verübung des Mordes. Diese Zeitspanne war äußerst knapp, aber ausreichend: Buer und Gladbeck lagen fußläufig etwa eine Stunde voneinander entfernt. Seine Schlafkammer im Erdgeschoss hatte ein Fenster zur Straße; er konnte das Haus also auf diesem Wege unbemerkt verlassen haben, um nach Gladbeck zu eilen und wieder zurückzukehren. Zudem fand man bei der Durchsuchung seiner Kammer ein schweißnasses Hemd, welches am Ärmel zwei Blutflecken aufwies. Später entdeckten die Ermittler auch noch seinen im Stroh versteckten Kittel sowie seine Stiefel, die ebenfalls Blutspuren trugen. Doch angeblich stammten diese von einer eigenen Verletzung. Der Bursche geriet immer mehr in Bedrängnis und versuchte sich mit immer neuen Ausflüchten zu retten.

Im Verhör bot Terwege den Ermittlern weiterhin trotzig die Stirn: „Man sagt wohl, ich sei verdächtig, den Mann getötet zu haben. Ich verlange aber Zeugen, die es gesehen haben.“ Unter Tränen fügte er hinzu: „Wenn die es sagen, dann will ich beichten und kommunizieren. Man kann nur einmal sterben, man mag dann tun mit mir, was man will.“ Bis zuletzt hoffte er darauf, dass man ihm den Mord nicht nachweisen könne. Alle Indizien sprachen indessen gegen ihn; Terwege selbst konnte hingegen keine Entlastungszeugen vorweisen. Die Schlinge um seinen Hals zog sich unerbittlich zu.

Im April 1858 kam es zum Prozess

Es sollten noch etliche Wochen vergehen, ehe am 22. April 1858 vor dem Münsteraner Schwurgericht der Wahrheit zum Recht verholfen wurde. Da die Liste der Zeugen unendlich lang war, zog sich die Verhandlung über drei Tage hin. Die Erkenntnisse der Ermittler, die erdrückenden Indizien und die präzisen Zeugenaussagen ließen keinen Zweifel daran: Stegemann, der „Öhm“, war von Terwege ermordet worden – angestiftet von seiner eigenen Ehefrau.

Terwege hätte sich und dem Gericht einen großen Dienst erwiesen, wenn er sich zu einem Geständnis hätte durchringen können. Ein solches brachte er jedoch nicht über die Lippen; er blieb bei jenen Aussagen, die er zuvor zu Protokoll gegeben hatte: „Darin steht es, und was darinsteht, ist wahr.“ Er sei unschuldig und nicht an der Tat beteiligt gewesen. Auch Maria erschwerte die Wahrheitsfindung nochmals: In der Verhandlung widerrief sie ihr Geständnis, das sie Ende Dezember zu Protokoll gegeben hatte. Diese Aussage sei ihr von der Dorstener Wärtersfrau eingeredet worden.       

Schlussendlich hatten die Geschworenen darüber zu befinden, ob Terwege den Mord an Stegemann begangen und ob Maria Stegemann ihn dazu angestiftet hatte. Beide Fragen wurden von der Jury bejaht. Der Gerichtshof verhängte über beide Angeklagten die Todesstrafe.  

Epilog

Gegen das Urteil vom 24. April 1858 wurden weitere Rechtsmittel eingelegt. Zunächst erhob man eine Nichtigkeitsbeschwerde, die jedoch zurückgewiesen wurde. Danach blieb nur noch die Möglichkeit eines Gnadengesuchs, das ebenfalls Abweisung fand. Zur Vollstreckung der Todesstrafe kam es dennoch nicht, da ein erneutes Gnadengesuch am 18. Februar 1860 per königlicher Kabinettsorder Erfolg hatte. Beide Todesstrafen wurden in lebenslange Zuchthausstrafen umgewandelt, die die Verurteilten in der Strafanstalt Münster antraten.

Für Maria blieben danach noch fünf Jahre zu leben. Sie starb am 25.Juni 1865 im Alter von 51 Jahren in der Strafanstalt Münster an Tuberkulose.

Für Gerhard Terwege hingegen tat sich noch eine Lebensperspektive auf. Unter nicht näher geklärten Umständen wurde er Jahre später aus der Haft entlassen und zog nach Bocholt. Dort heiratete er am 3. September 1887 in der Kirche St. Georg die aus Haldern stammende Christina Angenent. Um 1902 wohnte er in der Feldmark 526/18b. Gerhard Terwege starb am 22. November 1906 in Bocholt, Feldmark 544a.

© H. Krasenbrink

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Quellen:

Westfälischer Merkur, (27/04/1858) 95

Westfälischer Merkur, (28/04/1858) 96

Münsterischer Anzeiger, (27/04/1858) 95

Soester Kreisblatt, 40 (30/04/1858) 35

Soester Kreisblatt, 40 (07/05/1858) 37

Soester Kreisblatt, 40 (11/05/1858) 38

Münsterischer Anzeiger, (07/02/1860) 30

Münsterischer Anzeiger, (26/02/1860) 47

https://dfg-viewer.de/show?tx_dlf%5Bdouble%5D=0&tx_dlf%5Bid%5D=https%3A%2F%2Fwww.landesarchiv-nrw.de%2Fdigitalisate%2FAbt_Ostwestfalen-Lippe%2FP7%2F~006%2F00609%2Fmets.xml&tx_dlf%5Bpage%5D=252&cHash=e9ffef31ae691b0f8a35ba66ef5c0440

Kirchenbuch Marienthal St.-Mariae-Himmelfahrt, KB002_1/Seite 37

Kirchenbuch Rhede St.-Gudula, KB012/Seite 67

Kirchenbuch Rhede St. Gudula, KB014/Seite 46

Kirchenbuch Rhede St.-Gudula, KB011/Seite 152

Kirchenbuch Bocholt St. Georg, KB029/Seite 43

Kirchenbuch Bocholt St. Georg, KB031/Seite 361

Kirchenbuch Borken St. Remigius, KB016/Seite 114

Kirchenbuch Borken St. Remigius, KB016/Seite 55

Landesarchiv NRW Abteilung Ostwestfalen-Lippe, P7 (Kirchenbuchduplikat und Zivilstandsregister RB Münster, Nr. 813

Landesarchiv NRW Abteilung Ostwestfalen-Lippe, P 9 / 3, Standesamt Bocholt Nr. 205

Landesarchiv NRW Abteilung Ostwestfalen-Lippe, P 9 / 3, Standesamt Bocholt Nr. 120

Volks-Pitaval: Gallerie denkwürdiger Verbrechen und interessanter Criminalgeschichten der Vorzeit und Gegenwart für das Volk. Herausgegeben von Friedrich Steinmann. Mit Illustrationen in Lithographie und Buntdruck, Band 2

Abbildungen:

Abbildung 1: https://www.gelsenkirchener-geschichten.de/wiki/Felix_H%C3%B6lscher

Abbildung 2: Lithographie aus Volks-Pitaval ebenda

Abbildung 3: Karte von 1845


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