-
Josef Otten hatte die Arbeit nicht gerade erfunden. Mal gab er sich als Weber, mal als Verputzer aus. Viel lieber verbrachte er aber seine Zeit mit Freunden auf ausgedehnten Zechtouren durch die Wirtshäuser. Dort war er meist gern gesehen, denn mit einigen Zauberkunststückchen und Taschenspielertricks konnte er durchaus eine Kneipe unterhalten. Seinen Lohn dafür erhielt…
-
Die Jahre nach dem 1. Weltkrieg waren geprägt von Hunger, Chaos und Gewalt. In sogenannten Hamsterzügen strömten täglich Tausende aus dem Ruhrgebiet in das benachbarte Münsterland. Auf den Bauernhöfen versuchten die Hungernden ihre wenigen Habseligkeiten gegen Lebensmittel einzutauschen. Unter ihnen auch viele, die sich einfach nahmen, was sie brauchten – ohne Rücksicht auf Verluste. …
-
Die historische Figur des Kiepenkerls gilt als ein Symbol des Münsterlandes und ist bis heute positiv besetzt. Dem wandernden Händler wurden nicht nur zahlreiche Denkmäler gesetzt, sondern er steht bis heute mit seinem Namen Paten für Saatgut, Gaststätten und sogar Radiosender. Aber nicht allen Kiepenkerlen waren die Leute wohlgesonnen, denn es gab auch zwielichtige Gestalten…
-
Im Bocholter Westen herrschte seit einigen Jahren ein Dreiklang aus Arbeiten, Wohnen und Vergnügen. Anfang des Jahres 1899 hatte die neue Textilfabrik Rothe Erde ihren Betrieb aufgenommen und rund herum entstand ein neue Arbeiterkolonie. Die Gastronomie hatte den Bocholter Westen schon 30 Jahre zuvor für sich entdeckt. Aber wo viel Licht ist, ist auch viel…
-
Zum Ende des 19. Jahrhunderts platzte die Bocholter Altstadt aus allen Nähten und es entstanden zahlreiche neue Textilfabriken und Arbeiterkolonien in der Feldmark. Im Westen der Stadt war die Spinnerei Rothe Erde ein Treiber dieser Entwicklung. Zu Hunderten zogen Arbeiter in die neuen Quartierte an die Werther Straße – soziale Begleiterscheinungen inklusive. Als hätte…
-
An einem Vormittag im Mai stand der Knecht Heinrich Hachmann vor der Tür des Dr. Wilp. Der Schöppinger Landarzt solle schnell mit in die Bauerschaft Heven kommen, dort sei ein schlimmes Unglück geschehen. Was Dr. Wilp dort vorfand, war allerdings mehr als ein Unglücksfall: Es war der traurige Höhepunkt eines langjährigen und erbitterten Nachbarschaftsstreites. …
-
Rund um die Bauernhochzeit wurde seit jeher im Westmünsterland ein reichhaltiges, teils fragwürdiges Brauchtum gepflegt. So war es in der kleinen Landgemeinde Heiden unter den jungen Leuten üblich, anlässlich des ersten Aufgebotes ein Fass Bier zu leeren. Auf dem Hof des Bauern Tekülve in Leblich uferte diese frühere Form des Junggesellenabschiedes allerdings aus. Am…
-
Der Uhrmacher Bernhard Ströing konnte wirklich zur Plage werden. Schickte man ihn vorne zur Tür hinaus, dann kam er hinten wieder herein. Bis er eines Tages den Bogen überspannte. Mit festem Griff packte er den Burschen an den Kragen und zerrte ihn ins Freie. Hinter dem Haus war ein Wassergraben. Dort warf er ihn hinein,…
-
Der Holzschuhmacher Johann Schülingkamp war schon seit längerem dem Alkohol verfallen. Bei seinen häufigen Abstürzen fühlten sich seine Nachbarn dazu berufen, für Ruhe und Ordnung zu sorgen. Aber von Zivilcourage zur Selbstjustiz ist es nur ein kleiner Schritt. Wer solche Nachbarn hat, braucht keine Feinde mehr. Schon vor Jahren hatte es angefangen – immer dann,…
-
In einer Sommernacht wurde auf der Chaussee zwischen Wüllen und Stadtlohn ein junger Mann erschossen. Die Spur der Ermittler führte in das Dickicht eines neuen Milieus, das in Ahaus nach dem 1. Weltkrieg entstanden war. Im Januar 1925 kam es schließlich zu einem vielbeachteten Indizienprozess vor dem Schwurgericht in Münster. Engelbert Hoogen kannte die Straßen…